Die Wiederentdeckung der Römervilla
Obwohl der römische Gutshof über Jahrhunderte aus dem Bewusstsein der Bevölkerung verschwand, blieb die Erinnerung an eine weit zurückliegende Besiedlung des Weitriedes in mündlichen Überlieferungen erhalten. Volkstümliche Erzählungen berichteten von einem „Römerbrunnen“ und einer „Römereiche“ im Bresner Ried. Bereits in den Jahren 1927 und 1937 wurden einzelne Personen, darunter auch der ehemalige Rankweiler Bürgermeister Serafin Reich, auf römische Spuren im Weitried aufmerksam. Zu systematischen archäologischen Untersuchungen kam es damals jedoch noch nicht.
Erst Planierungsarbeiten im Zuge des Umlegungsverfahrens in Brederis-Weitried führten im Herbst 1953 zur Wiederentdeckung zweier Gebäude des römischen Gutshofes. Im folgenden Jahr wurde das südliche Wohnhaus archäologisch untersucht. Bei den Grabungen kamen neben den Grundmauern zahlreiche Gegenstände aus römischer Zeit ans Tageslicht, darunter Fibeln, Speerspitzen, kleinere Waffen und Keramikgefäße. Die freigelegten Mauern wurden konserviert und anschließend als erstes Freilichtmuseum Vorarlbergs der Bevölkerung zugänglich gemacht.
Knapp 50 Jahre nach diesen ersten Grabungen fanden im Bereich des Gutshofes erneut umfangreiche archäologische Untersuchungen statt. Diese waren insbesondere dem Engagement des damaligen Rankweiler Bürgermeisters Hans Kohler zu verdanken. Zwischen 2002 und 2007 legte das Bundesdenkmalamt das nördliche Hauptgebäude der Anlage frei. Dabei wurde auch besonders deutlich, wie sehr sich das Bodenniveau seit der Römerzeit verändert hatte: Die antiken Gebäudereste lagen unter mächtigen, von der Frutz abgelagerten Schwemmschichten.
Die neuen Ausgrabungen veränderten das Bild des römischen Gutshofes grundlegend. Aus einem zunächst bekannten Einzelgebäude wurde eine ausgedehnte römische Hofanlage mit mehreren Wohn- und Wirtschaftsgebäuden. Die Größe und Ausstattung des neu entdeckten Haupthauses unterstrichen zudem die überregionale Bedeutung des Gutshofes und seine enge Verbindung mit der römischen Besiedlung des Vorderlandes und der nahe gelegenen Straßenstation Clunia.
Eine weitere bedeutende Entdeckung gelang 2006. Bei Erdarbeiten auf dem Gelände des benachbarten Golfplatzes kamen rund 200 Meter östlich der Wohngebäude die außergewöhnlich gut erhaltenen Überreste eines römischen Badehauses zum Vorschein. Die Therme zeigte erneut, dass es sich bei der Anlage nicht um einen einfachen Bauernhof, sondern um ein wohlhabendes und komfortabel ausgestattetes römisches Landgut gehandelt hatte.
Um diesen für die Geschichte Rankweils bedeutenden Ort dauerhaft sichtbar und erlebbar zu machen, ließ die Marktgemeinde Rankweil 2008 das heutige Schaugelände errichten. Es zeichnet die Grundrisse der ausgegrabenen Gebäude nach und ermöglicht gleichzeitig einen Blick auf Teile der originalen römischen Mauern, die geschützt unter Glas erhalten geblieben sind. Informationstafeln und ausgewählte Fundstücke vermitteln einen Eindruck vom Leben auf dem Gutshof.
Damit wurden die Überreste, die über Jahrhunderte unter den Ablagerungen der Frutz verborgen und beinahe vollständig in Vergessenheit geraten waren, wieder zu einem sichtbaren Teil der Geschichte Rankweils.